Sind Blankoverordnungen „potenziell gefährlich“?

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Sind Blankoverordnungen „potenziell gefährlich“?

Der 120. Deutsche Ärztetag lehnt den Direktzugang zu Heilmitteln sowie Blankoverordnungen ab – und weist in seiner Begründung auf Gefahren für Patienten hin.

„Der 120. Deutsche Ärztetag 2017 positioniert sich gegen den geplanten Direktzugang zu Heilmitteln sowie gegen Blankoverordnungen“, heißt es im Beschlussprotokoll. „Die Spezifikation und Frequenz von Heilmitteln zu indizieren, ist ein Kerngebiet ärztlicher Behandlung und beruht auf ärztlichem Wissen zu Diagnose und Verlauf. Eine Übertragung der Entscheidung über Methode und Häufigkeit/Frequenz von Heilmittelanwendungen ist kontraproduktiv und potenziell gefährlich.“ Um diese Begründung noch etwas anschaulicher zu machen, werden dann in Klammern  Beispiele genannt, die offensichtlich als Belege für das Gefährdungspotenzial dienen sollen: „Stichworte: Massage statt Krankengymnastik bei Rückenerkrankungen , Lymphdrainage im OP-Gebiet statt Mobilisierung unter dosierter Belastung.

Ärztetag argumentiert weit ab von allen Fakten   Natürlich darf der Ärztetag vor den Gefahren des Direktzugangs und der Blankoverordnung warnen. Belege dafür wären aber schön gewesen. Als wir bei der Bundesärztekammer (BÄK) danach fragten, verwies man uns lediglich auf zwei Stellungnahmen aus dem Jahr 2016. Darin befürwortet die BÄK das Ziel, Heilmittelerbringer stärker in die Versorgungsverantwortung einzubinden. Es erscheine ihr „ein grundsätzlich geeigneter Weg, zu diesem Zweck das Instrument der sogenannten „Blankoverordnung“ in Modellvorhaben flächendeckend zu erproben.“ Das scheint dem Beschluss des Ärztetages, der die Blankorezepte als Gefahr für Patienten darstellt, deutlich zu widersprechen – als wir die BÄK darauf hinwiesen, meldete sich die Pressestelle allerdings nicht mehr zurück.

In der Realität beraten Therapeuten die Ärzte zu Verordnungen  Es fehlt also nach wie vor eine Begründung dafür, was die „Übertragung der Entscheidung über Methode und Häufigkeit/Frequenz von Heilmittelanwendungen“ nun „kontraproduktiv“ und „potenziell gefährlich“ mache – vielleicht auch deswegen, weil es für diese potenzielle Gefährdung überhaupt keine Belege gibt? Jeden Tag wird in tausenden von Arztpraxen eine Heilmitteltherapie nicht oder nicht mehr verordnet, weil „das Budget nicht reicht“. Jeden Tag dokumentieren Ärzte durch ungültige Verordnungen, dass sie sich mit den Details der Heilmittel-Richtlinien nicht auskennen. So viel zum „ärztlichen Wissen zu Diagnosen und Verlauf“. Gleichzeitig rufen Ärzte in Heilmittel-Praxen an, um zu fragen, was sie verordnen sollen. Gefährden diese Ärzte ihre Patienten, weil sie dem Fachwissen und der Erfahrung der Therapeuten vertrauen?

 

Quelle: up-Unternehmen Praxis vom Buchner und Partner Verlag, Ausgabe 07/2017

 

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